Deutschlands machtloser Bankenverband

, par Vive la crise

Der Einfluss von einst existiert nicht mehr. Ausgerechnet in der schlimmsten Krise seit Jahrzehnten versinkt die Lobbyorganisation der privaten Institute in der Bedeutungslosigkeit. Grund sind interne Querelen, Flügelkämpfe und eine ungeliebte Verbandsspitze. von Nina Luttmer Frankfurt

Die Botschaft war klar : Schluss mit der Zockerei. Am 18. Mai verkündete Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble nachmittags seinen Plan, sogenannte ungedeckte Leerverkäufe - also Spekulationsgeschäfte - auf bestimmte Aktien und Staatsanleihen zu verbieten. Eine Zäsur für den deutschen Finanzplatz. Der Deutsche Sparkassen- und Giroverband (DSGV) begrüßte das Vorgehen umgehend als « wirksamen Beitrag zur Eindämmung schädlicher Spekulationsgeschäfte », der Verband Öffentlicher Banken (VÖB) bejubelte die « Vorreiterrolle » Deutschlands, und auch der Bundesverband der Volks- und Raiffeisenbanken (BVR) äußerte sich, wenn auch skeptischer.
Alle hatten etwas zu dem Vorpreschen der Bundesregierung zu sagen, auch im Ausland schlug der nationale Alleingang Wellen. Nur einer schwieg : der einst so mächtige Bundesverband deutscher Banken (BdB), der die Privatbanken vertritt - selbst auf Anfrage. Erst zwei Tage später meldete sich BdB-Präsident Andreas Schmitz zu Wort und verdammte das Leerverkaufsverbot.
Josef Ackermann und Martin Blessing Josef Ackermann und Martin Blessing
Das Zögern ist symptomatisch für den BdB. Der einst hoch angesehene Verband ist nur noch ein Schatten seiner selbst. Und das zu einem denkbar schlechten Zeitpunkt : Nie brauchten die Banken dringender eine kraftvolle Interessenvertretung als in der schwersten Finanzkrise seit 80 Jahren. Das öffentliche Ansehen der Banken ist auf einem Tiefpunkt angelangt, tagtäglich lassen sich Politiker neue Vorschläge einfallen, wie sie die Institute einerseits für die derzeitige Krise bestrafen, andererseits für die nächste wetterfest machen können - Bankenabgabe, Finanztransaktionssteuer, mehr Eigenkapital, neue Einlagensicherung. Doch der Gegenangriff bleibt aus, der Platzhirsch unter den Verbänden wirkt kraftlos, ja sprachlos. Als « Zombie » wird er bereits verhöhnt.
Der Verband steckt in einer tiefen Krise. Die beiden größten Mitglieder, Deutsche Bank und Commerzbank, streiten sich öffentlich. Zwischen ihren Chefs knirscht es. Josef Ackermann verärgert die Verbandsmitglieder mit immer neuen Alleingängen, Martin Blessing wird als « Merkels Pudel » verspottet, weil er die harte Linie der Bundesregierung gegen die Banken unterstützt.
Hinzu kommt das personelle Vakuum im Verband : Hauptgeschäftsführer Manfred Weber ist nur noch ein machtloses Auslaufmodell - eine « Lame Duck », spätestens seit im März bekannt wurde, dass er zum Jahresende seinen Posten räumen muss. Bereits monatelang war darüber spekuliert worden, ob er nach 18 Jahren im BdB vom Vorstand vor die Tür gesetzt wird. Verbandspräsident Schmitz und Weber mögen sich nicht. BdB-Mitarbeiter beklagen zudem Webers autoritären Führungsstil und seine mangelnde Kommunikationsbereitschaft. Die monatelange Suche nach einem zweiten Stellvertreter für Weber scheiterte auch daran, dass unter ihm niemand arbeiten will. Nun gerät auch noch die Suche nach seinem Nachfolger zum Fiasko. Eigentlich wollte Schmitz schon längst einen neuen Hauptgeschäftsführer präsentiert haben, der bereits im September eingearbeitet werden sollte. Fehlanzeige. BdB-Mitarbeiter sind nervös, fürchten, dass Weber länger bleiben wird als geplant. Das wäre, « als würde Stalin zurückkommen nach Russland. Dann wäre hier Massenexodus angesagt », sagt ein Mitarbeiter.